Schraube überdreht? 6 Tricks, wie du sie trotzdem rausbekommst

Aktualisiert: · 5 Min. Lesezeit

Nahaufnahme eines rund gedrehten Kreuzschlitz-Schraubenkopfs in einem Holzbrett, daneben Bits und ein Schraubenausdreher
Die Kurzantwort

Fang mit der sanftesten Methode an: passenden, neuen Bit (oft eine Nummer größer, z. B. PZ2 statt PH2) mit kräftigem Druck und langsamer Drehzahl ansetzen, notfalls ein breites Gummiband zwischen Bit und Kopf legen. Sitzt die Schraube fest, hilft ein Hand-Schlagschraubendreher. Erst wenn der Kopf völlig zerstört ist, kommt ein Schraubenausdreher (Linksgewinde) zum Einsatz. Steht der Kopf über, packst du ihn einfach mit der Zange.

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⚠️ Sicherheit: Beim Bohren, Schlagen und Ausdrehen immer eine Schutzbrille tragen, denn Späne und abgebrochene Bitspitzen fliegen weit. Schraubenausdreher sind gehärtet und spröde: Bricht einer in der Schraube ab, bekommst du ihn kaum noch heraus. Deshalb ohne Hebelgewalt und mit Gefühl drehen. Rostlöser ist entzündlich, also nicht in der Nähe von Funken oder heißen Teilen verwenden.

Warum drehen Schrauben überhaupt durch?

Ein Kreuzschlitz ist so konstruiert, dass der Bit bei zu hohem Drehmoment nach oben herausrutscht („Cam-out“). Das schont eigentlich Schraube und Werkzeug, frisst aber bei jedem Ausrutscher ein Stück Metall aus dem Kopf. Typische Ursachen:

  • Falscher Bit, etwa PH in einer PZ-Schraube oder ein zu kleiner Bit.
  • Abgenutzter Bit mit runden Kanten.
  • Zu wenig Druck oder schräges Ansetzen.
  • Zu viel Drehmoment, z. B. Akkuschrauber auf Bohrstufe.
  • Festsitzende Schrauben durch Rost, Lack oder Harz.

Je früher du reagierst, desto einfacher wird es. Sobald der Bit zweimal durchdreht: stopp, nicht weiter „rundorgeln“.

Methode 1: Neuer, größerer Bit und viel Druck

Probiere zuerst einen neuen Bit und bei Kreuzschlitz eine Nummer größer oder den anderen Typ (PZ statt PH). Drück mit dem ganzen Körpergewicht in Achsrichtung und dreh langsam von Hand oder mit niedrigster Akkuschrauber-Stufe. Oft greift der Bit in den noch intakten Tiefen des Kopfes.

Bei Innensechskant und Torx hilft manchmal ein etwas größerer Torx-Bit, den du vorsichtig in den runden Kopf klopfst.

Methode 2: Gummiband oder Stahlwolle als Füllmaterial

Leg ein breites Gummiband (z. B. vom Gemüse) flach über den Schraubenkopf und drück den Bit hindurch. Das Gummi füllt die ausgeleierten Stellen und gibt Grip. Alternativ funktioniert ein Stück feine Stahlwolle oder etwas Ventil-Einschleifpaste.

Methode 3: Rostlöser und Wärme bei festsitzenden Schrauben

Bei Metallschrauben, die eher fest als kaputt sind: Rostlöser auftragen, 10–15 Minuten einwirken lassen, dann mit ein paar leichten Hammerschlägen auf den Schraubendreher „anklopfen“. Die Erschütterung löst Rost im Gewinde. Bei Schrauben in Holz hilft es manchmal, sie zuerst ein kleines Stück fester zu drehen, um das Gewinde loszubrechen.

Methode 4: Hand-Schlagschraubendreher

Der Schlagschraubendreher ist das unterschätzte Werkzeug im Kasten. Du setzt ihn auf, stellst die Drehrichtung auf „lösen“ und schlägst mit dem Hammer darauf. Der Schlag presst den Bit in den Kopf und wird gleichzeitig in eine kurze Drehung umgesetzt. Damit lösen sich auch festgerostete Schrauben, ohne dass der Bit ausrutscht. Er eignet sich für Metall und massive Untergründe, für dünne Bleche oder Möbelplatten eher nicht.

Methode 5: Schraubenausdreher (wenn der Kopf zerstört ist)

  1. Den Kopf in der Mitte mit einem Körner markieren.
  2. Mit einem Metallbohrer passend zur Ausdrehergröße (steht auf der Verpackung) ein paar Millimeter tief bohren, gerade und mit niedriger Drehzahl.
  3. Den Ausdreher mit Linksgewinde einsetzen und mit Windeisen oder Schlüssel gegen den Uhrzeigersinn drehen. Er frisst sich fest und nimmt die Schraube mit.
  4. Gleichmäßig drehen und nicht ruckartig hebeln, sonst bricht der spröde Ausdreher.

Tipp: Mit einem Linksbohrer löst sich die Schraube manchmal schon beim Vorbohren.

Methode 6: Zange oder Schlitz einsägen

Steht der Kopf über die Oberfläche, packst du ihn mit einer Gripzange oder Wasserpumpenzange und drehst ihn heraus. Ist er breit genug, kannst du mit einer Metallsäge oder einem Multitool einen Schlitz einsägen und mit einem großen Schlitzschraubendreher lösen.

Welche Methode wann?

Situation Beste Methode Aufwand
Kopf leicht rund, Schraube locker neuer/größerer Bit, Gummiband gering
Schraube festgerostet, Kopf noch ok Rostlöser + Schlagschraubendreher mittel
Kopf komplett zerstört Schraubenausdreher mittel bis hoch
Kopf steht über Gripzange, Schlitz einsägen gering

Häufige Fehler

  • Weiterdrehen, obwohl der Bit rutscht. Jede Umdrehung macht es schlimmer.
  • Akkuschrauber auf hoher Drehzahl. Langsam und mit Gefühl ist bei kaputten Köpfen entscheidend.
  • Zu großes Loch für den Ausdreher. Dann bleibt zu wenig Material, in das er greifen kann.
  • Ohne Schutzbrille arbeiten. Abgebrochene Bit-Spitzen sind scharf und schnell.

Produkte, die wirklich helfen

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Bei angerosteten Schrauben an Metall: einsprühen, 10–15 Minuten einwirken lassen, dann erst drehen. Das verringert das Risiko, den Kopf weiter zu beschädigen.

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So passiert es nicht wieder

  • Bit zum Schraubenkopf passend wählen: Pozidriv (PZ, mit kleinen Zusatzkerben) und Phillips (PH) sehen ähnlich aus, passen aber nicht richtig zusammen.
  • Abgenutzte Bits mit runden Kanten sofort aussortieren.
  • Beim Schrauben kräftig axial drücken und gerade ansetzen, damit der Bit nicht herausspringt.
  • Akkuschrauber mit Drehmomentkupplung auf niedrige Stufe stellen und langsam steigern.
  • Wo möglich Torx-Schrauben (TX) verwenden, die rutschen deutlich seltener heraus als Kreuzschlitz.
  • In Hartholz vorbohren, dann braucht die Schraube weniger Kraft.

Häufige Fragen

Hilft wirklich ein Gummiband?

Bei leicht rund gedrehtem Kreuzschlitz oft ja. Ein breites Gummiband füllt die Lücken zwischen Bit und Kopf und erhöht die Reibung. Mit Handschrauber und viel Druck langsam drehen. Ist der Kopf stark zerstört, hilft es nicht mehr.

Kann ich mit dem Akkuschrauber ausdrehen?

Für den Ausdreher ja, aber im Linkslauf, mit niedriger Drehzahl und abgeschalteter Schlagfunktion. Viele Profis drehen den Ausdreher lieber mit einem Windeisen oder Schraubenschlüssel von Hand, weil man so besser spürt, wann es kritisch wird.

Was tun, wenn der Ausdreher abgebrochen ist?

Nicht weiter bohren, denn der gehärtete Stahl ruiniert normale Bohrer. Bei Holz kannst du die Schraube großzügig mit einem Hohlbohrer umbohren und das Loch danach mit einem Holzdübel verschließen. Bei Metallteilen ist das ein Fall für die Werkstatt.

Woran erkenne ich PH und PZ?

Pozidriv-Schrauben (PZ) haben zwischen den Kreuzarmen zusätzlich feine, diagonale Linien. Phillips (PH) hat nur das Kreuz. Ein PZ-Bit in einer PZ-Schraube sitzt spürbar fester.

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